Pilotprojekt Weiterbildung
Die Körper-, Leib-, Bewegungs-Musik-Partitur (KLBMP) dient der Beobachtung und Analyse des körperlichen und bewegungsmässigen Verhaltens, des Singens, Spielens und Sprechens sowie des musikalischen Ausdrucks in der musiktherapeutischen Behandlung.
Das Ziel des Pilotprojektes ist es, eine Gruppe von bis zu 12 Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten in der Anwendung der Körper/Leib/Bewegungs-Musik-Partitur weiterzubilden, um phänomenologische und hermeneutische Diagnostik im Bereich Körper/Leib, Bewegung und Musik durchzuführen. Dies dient der Dokumentation und Forschung zur Validierung der KLBMP für verschiedene Patienten- und Patientinnen- Gruppen. Zudem wird ein Katalog von Interventionen entwickelt, der die Verknüpfung von therapeutischen Massnahmen und Diagnostik ermöglicht. Jede Teilnehmende und jeder Teilnehmende kann aktiv dazu beitragen. Die Weiterbildung ist als Integration von Theorie, Praxis und Selbsterfahrung konzipiert.
Die Weiterbildung richtet sich an klinisch oder/und in eigener Praxis tätige Absolventinnen und Absolventen eines musiktherapeutischen Studiums oder einer vergleichbaren anerkannten Ausbildung. Idealerweise sollten die Teilnehmenden bereits mit ICD-11 und DSM-5 vertraut sein und Patientinnen (Kinder, Jugendliche und Erwachsene) behandeln, die nach diesen diagnostischen Klassifikationen betreut werden.
Die Weiterbildung vermittelt theoretisches und praktisches Wissen vor dem Hintergrund der Integrativen Therapie (IT) und ihrer Methode der Integrativ-intermedialen Musiktherapie (IIMT). Grundlegend ist hier der Begriff des «Informierten Leibes» – das Basiskonzept der Integrativen Therapie und ihrer Methoden. Das Konzept des «Informierten Leibes» verbindet neurobiologische, entwicklungspsychologische und leibphilosophische Perspektiven.
Im leibbezogenen Ansatz der Integrativen Therapie wird zwischen den Begriffen «Körper» und «Leib» differenziert, um den objektiven Körper vom subjektiv empfundenen Körper zu unterscheiden. Der Körper ist die materielle Grundlage aller psychischen und geistigen Lebens- und Lernprozesse, die somatische Basis des Menschen, der biologische Organismus. Der Leib ist der Körper, der vom Bewusstsein seines Seins durchdrungen ist, der sich selbst spürt, erfühlt und erdenkt, der sich selbst wahrnimmt und sich dieser Selbstwahrnehmung bewusst wird.
Der Leib ist die Grundlage der Persönlichkeit. Daher setzt die Förderung der expressiven musikalischen Kompetenz und Performanz bei der Stärkung der körperlichen Fähigkeiten an, wie der sinnlichen Wahrnehmung, dem bewussten Fühlen und dem Erlernen sowie Speichern von Empfindungen und wahrgenommenen Gefühlen. Der Leib repräsentiert die Person in ihrer psycho-physischen Gesamtheit. Musik kann nur ganzheitlich auf den Menschen wirken, wenn sie mit «Leib und Seele» erlebt und gespielt wird. Musik als vielleicht «geistigste» aller Kunstformen ist der lebendige Ausdruck von Gefühlen und Verhalten und bedarf einer starken körperlichen Verankerung, um der Selbstwahrnehmung, Selbstregulation und Selbstaktualisierung dienen zu können. Dadurch kann sie den Menschen seelisch-körperlich und geistig flexibler machen und ihn von einschränkenden Haltungen und Einstellungen befreien.
Die Körper-, Leib-, Bewegungs-Musik-Partitur besteht aus drei Teilen: den Körper-, Leib-, Bewegungsteilen, den Sing-, Spiel- und Sprecharten-Teilen sowie den Musikteilen. Der Körper-, Leib-, Bewegungsteil ist in zwei Abschnitte unterteilt.
Die Weiterbildung umfasst 5 Module, die jeweils Selbsterfahrung, Theorievermittlung und Praxistransfer beinhalten:
Hier werden die Grundlagen des ersten Teils des Körper/Leib/Bewegungs-Teils vermittelt. Es werden körperliche und bewegungsmässige Aspekte wie Körperposition, Raum, Körperstruktur, Spannung, Energie, Intensität und Kraft, Artikulation, Zeit, Richtungen und Ebenen fokussiert.
Das zweite Modul konzentriert sich auf den zweiten Teil des Körper/Leib/Bewegungs-Teils: den Augenausdruck, das Blickverhalten und die Atmung. Darüber hinaus werden körperlich-leibliche Beobachtungsmerkmale aus dem ersten Teil der KLBMP, die Aspekte der zwischenmenschlichen Beziehung beschreiben und sich körperlich-leiblich manifestieren, wie Formen, Bewegungsmodulation, Formen des Körperkontakts, Berührungsfunktion sowie körperliche Nähe und Distanz, erfahrbar gemacht.
Der Sing-, Spiel- und Sprecharten-Teil ist der zweite Teil der Körper-, Leib-, Bewegungs-, Musik-Partitur. Hier werden vokale und instrumentale Ausdrucksformen beobachtet und beschrieben, Musikinstrumente klassifiziert, die Arten des Spielens von Musikinstrumenten sowie der menschliche Körper als Musikinstrument und die Sing- und Sprecharten in den Fokus genommen. Folgende 4 Merkmale werden spezifiziert: Sing- und Sprecharten, Klanggesten und musikalische Gesten, Spielarten und Auswahl von Musikinstrumenten.
Der Musik-Teil ist der dritte Teil der KLBMP und beschäftigt sich mit der Beschreibung improvisierter vokaler und/oder instrumentaler Musik in der musiktherapeutischen Behandlung. Es werden folgende Beobachtungsmerkmale spezifiziert: Rhythmus, Metrum und Takt, Melodie, Klang, Dynamik, Tempo und Agogik, Artikulation und Phrasierung, Tonalität und Harmonie sowie Form. Diese Musik-Elemente werden erfahrbar gemacht und als therapeutische Mittel eingesetzt.
In diesem abschliessenden Modul des Pilotprojekts/der Weiterbildung werden die Ergebnisse der Anwendung des KLBMP-Systems in der eigenen musiktherapeutischen Praxis vorgestellt und diskutiert. Ein aktiver Beitrag in Form einer Prozessvorstellung aus der praktischen musiktherapeutischen Arbeit, die die Beschreibung und Analyse des Anfangs (initiale Diagnostik), des Verlaufs (prozessuale Diagnostik) und des Abschlusses (Abschlussdiagnostik) beinhaltet, ist Voraussetzung für die Zertifizierung in der Anwendung der Körper/Leib/Bewegungs-Musik-Partitur in der klinischen musiktherapeutischen Arbeit.
Die Weiterbildung besteht aus 5 Modulen mit jeweils 16 Unterrichtsstunden zu je 45 Minuten, die immer freitags und samstags um 9.00 Uhr beginnen und am Samstag um 18.30 Uhr enden.
Ort
Kirchgemeindehaus der Reformierten Kirche Baden
Bullingerstube
Oelrainstrasse 21
5400 Baden
Termine
Freitag, 11. und Samstag, 12. April 2025
Freitag, 23. und Samstag, 24. Mai 2025
Freitag, 27. und Samstag, 28. Juni 2025
Freitag, 25. und Samstag, 26. Juli 2025
Freitag, 19. und Samstag, 20. September 2025
Kosten
CHF 425.00 pro Wochenend-Seminar, insgesamt CHF 2'125.—
Im Preis der Weiterbildung ist das Lehr- und Arbeitsbuch von Skrzypek, H. (2019) «Körper, Bewegung und Musik als Partitur für künstlerische Therapien. Ein Lehr- und Arbeitsbuch» enthalten.
Dr. phil. Hanna Skrzypek ist eine Integrative Therapeutin (FPI/EAG), Integrative Leib- und Bewegungspsychotherapeutin (FPI/EAG), Diplom-Musiktherapeutin, -Musikpädagogin, und -Musikerin.
Ihre besondere Interessen liegen in der Erforschung der Genealogie des Körpers/Leibes in der Musiktherapie, der Bedeutung des «informierten Leibes» in der Psychotherapie und der Integrativen Leibmusiktherapeutischen Diagnostik in der Musiktherapie. Für die diagnostischen Ziele in der Integrativen Therapie und ihren Methoden entwickelte und evaluierte sie ein System – die Körper Leib Bewegungs-Musik-Partitur.
Nach einer 17-jährigen Tätigkeit als Musiktherapeutin in einer akutpsychiatrischen Klinik und in eigener Praxis in Österreich und einer 3-jährigen Tätigkeit als Leib- und Bewegungstherapeutin in einer akutpsychosomatischen Klinik in Deutschland widmet sie sich der Lehrtätigkeit an der Europäischen Akademie für bio-psycho-soziale Gesundheit, Kreativitätsförderung und Naturtherapien in Hückeswagen in Deutschland. Internationale Vorträge, Seminare, fachliche Publikationen gehören zu ihrem Berufsleben/Berufung dazu.
Anmeldeschluss ist der 31.01.2025
Ihre Daten werden in jedem Fall vertraulich behandelt und nur im Rahmen des FMWS verwendet. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Nach der erfolgten Anmeldung werden Sie über den weiteren Ablauf informiert. Für Fragen stehe ich Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung.
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